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Language: de-DE

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Thema dieser Videoserie ist die Sicherheit chemischer Reaktionen im Rahmen der Anlagen- und Verfahrenssicherheit.

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In diesem Video soll verdeutlicht werden, wie ein exponentieller Temperaturanstieg bei einer chemischen Reaktion verläuft.

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Doch zunächst ein kleiner Fun-Fakt: Anlagensicherheit wird im Englischen häufig – und korrekt – mit „Plant Safety“ übersetzt.

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Lässt man wiederum Plant Safety vom Englischen ins Deutsche übersetzen, kommt manchmal „Pflanzensicherheit“ als Ergebnis.

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Beginnen wir dieses Video daher in der Botanik. Und einer altbekannten Rechenaufgabe.

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Die Zahl der Seerosen auf einem Teich verdoppelt sich jeden Tag. Nach zehn Tagen ist bereits die halbe Oberfläche bedeckt. Wie lange dauert es, bis der ganze See zugewachsen ist?

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Nun, bei einer Verdopplung pro Tag dauert es einen weiteren Tag, bis statt dem halben See der ganze See bedeckt ist. Am Ende geht es ganz schnell – das ist das Phänomen exponentieller Verläufe.

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Blicken wir auf chemische Reaktionen. Manche laufen bereits bei Raumtemperatur ganz schnell ab, wie beispielsweise die Reaktion von Schwefelsäure mit Natronlauge.

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Andere Reaktionen brauchen höhere Temperaturen, um einen messbaren Umsatz in kürzerer Zeit zu erzielen.

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Bei diesen Prozessen ist so ähnlich wie bei den Seerosen.

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Frage: Die Geschwindigkeit einer Reaktion verdoppelt sich bei einem Anstieg um 10 Grad. Das sagt die Regel von van't Hoff.

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Wenn nach 10 Minuten die Temperatur um 10 Grad gestiegen ist, wo liegt sie nach 20 Minuten?

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Weil der Zeitraum für die nächste Temperaturerhähung immer kürzer wird und die Reaktion immer schneller wird, wird der Ansatz immer heißer. Nach 20 Minuten geht die Temperatur steil nach oben.

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Es folgt eine durchgehende Reaktion, auch als Runaway oder als thermische Explosion bezeichnet.

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Der Zeitraum ist übrigens frei skalierbar: manchmal dauert es nur wenige Minuten bis zum Durchgehen, manchmal Stunden, in manchen Fällen sogar Tage.

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Aber der Verlauf ist immer ähnlich: nach einer scheinbar ereignislosen Induktionsphase folgt die thermische Explosion mit einer Selbstbeschleunigung der Reaktion.

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Sie glauben, das ist nur bloße Theorie? Dann machen wir dazu ein Experiment.

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Ich mache das Multimeter schon mal an, damit wir den Wert sehen der Temperatur: wir haben hier 27 Grad im Raum.

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Wir haben hier ein Zwei-Komponenten-Harz aus dem Baumarkt. Das sind 242 Gramm Harz und 8 Gramm Härter.

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Die 8 Gramm Härter sind dies hier, und die packe ich jetzt – so ist das nicht ganz vorgesehen, aber für das Experiment ganz sinnvoll – in diese Dose rein.

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So, jetzt habe ich alles reingequetscht. Und dann schüttle ich das Ganze auch noch, damit es ganz schön homogenisiert, schön verteilt ist.

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Dann stelle ich unser Thermoelement, das mit der Multimeter verbunden ist, in das Harz rein und dann schauen wir einfach mal, was passiert.

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Sie sehen, das Harz war noch ein bisschen kühler als die warme Luft am Tisch, deswegen geht die Temperatur erst mal runter auf 26 Grad.

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Aber warum geht nicht jede Reaktion durch? Weil normalerweise die freigesetzte Reaktionswärme über die Kühlung abgeführt wird.

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Idealerweise wird genau so viel Wärme dem System entzogen, wie durch die exotherme Reaktion freigesetzt wird. Dann bleibt die Temperatur auf gleichem Niveau und die Reaktion verläuft konstant.

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Fehlt aber die Wärmeabfuhr ganz oder ist sie geringer als die Wärmeproduktion, so setzt die Selbstbeschleunigung der Reaktion ein.

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Der Prozess verläuft umso rasanter, je größer das thermische Potenzial ist, also je mehr Stoffmenge vorhanden ist, je mehr Wärme durch die Reaktion freigesetzt wird,

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also um welche Reaktion es sich handelt, und je weniger Wärme dem System entzogen wird, also wie gut oder schlecht die Kühlung funktioniert.

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Die Wärmeabfuhr hängt auch von der Größe des Behälters und der Durchmischung ab.

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Bei einem kleinen Behälter, wie bei der Dose, geht ein Teil der Reaktionswärme als Strahlungswärme über die Oberfläche verloren.

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Aber da die Reaktionswärme der Polymerisation relativ groß ist, kommt es dennoch zu einer Selbsterwärmung. Bis nach einigen Minuten alle Monomere vernetzt sind und die Reaktion zum Stillstand kommt.

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Anmerkung: weil bei höherer Temperatur noch Parallel-Reaktionen einsetzen, ist der Temperaturanstieg etwas steiler als von van 't Hoff postuliert.

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Bei großen Behältern, insbesondere bei ungerührten Lagerbehältern von zig Kubikmeter Volumen, reichen zu Beginn minimale Reaktionswärmen aus,

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die unter den wärmedämmenden Bedingungen einen selbstbeschleunigten Ablauf auslösen kännen.

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Dieser kann dann durchaus einige Tage dauern, bis es zur thermischen Explosion kommt – ausgelöst mäglicherweise durch eine ungeplante Verunreinigung.

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Und eine Anmerkung aus gegebenem Anlass: der exponentielle Verlauf beginnt bereits im Kleinen und nicht erst mit dem steilen Anstieg.

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Zusammengefasst: Liegen größere Mengen an reaktiven Stoffen oder Reaktionsgemischen vor,

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deren Umsetzung Wärme freisetzt, die wiederum nicht vollständig dem System entzogen wird, kann es zu einer durchgehenden Reaktion kommen.

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Die Geschwindigkeit, mit der die Reaktion durchgeht, sowie die Temperatur, die maximal erreicht werden kann, hängen von der Starttemperatur und der Bilanz aus Wärmeproduktion und Wärmeabfuhr ab.

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Somit sind eigentlich ausreichend Parameter vorhanden, die eine sichere Reaktionsführung ermäglichen – wenn man die entsprechenden Daten kennt und im Sicherheitskonzept berücksichtigt.