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Language: de-DE

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Thema dieser Videoserie ist die Sicherheit chemischer Reaktionen im Rahmen der Anlagen- und Verfahrenssicherheit.

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In diesem Video geht es um die sicherheitstechnische Bewertung exothermer Reaktionen.

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Dazu möchte ich das so genannte Kühlpannen-Konzept vorstellen.

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Dieses beleuchtet zum einen den Ausfall der Kühlung, zum anderen auch eine – aus anderen Gründen verursachte - Verschlechterung der Wärmeabfuhr.

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Betrachten wir hierzu den typischen Verlauf der Temperaturkurve bei einer chemischen Synthesereaktion.

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Im bestimmungsgemäßen Betrieb wird zunächst das Reaktionsgemisch bzw. die vorgelegte Komponente auf die Prozesstemperatur Tp erwärmt.

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Auf diesem Temperaturniveau läuft die gewünschte Reaktion ab – bei Semi-Batch-Prozessen erfolgt dabei das Zudosieren der zweiten Reaktionskomponente.

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Zur thermischen Kontrolle der Reaktion muss das Kühlsystem entsprechend der frei werdenden Reaktionsleistung ausgelegt sein.

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Die Reaktionswärme kann beispielsweise durch eine externe Kühlung, also Mantelkühlung oder Innenschlange,

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durch Verdampfen und Kondensieren von Lösemittel, also Siedekühlung,

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oder – unter bestimmten Bedingungen – durch die Temperatur der vorgelegten bzw. zudosierten Komponenten, also deren Wärmekapazität, kompensiert werden.

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Fällt zu einem Zeitpunkt des Prozesses die Kühlung aus – dies wird oft als „Kühlpanne“ bezeichnet –

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so führt die im Reaktionsgemisch gespeicherte chemische Energie zu einem Temperaturanstieg bis auf die „maximale Temperatur der Synthesereaktion“, abgekürzt MTSR.

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Dieses Temperaturniveau hängt von der Menge der gespeicherten chemischen Energie der Reaktion ab.

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Bei Batch-Reaktionen, also wenn alle Komponenten vollständig zu Beginn des bestimmungsgemäßen Prozesses vorgelegt werden,

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ist der kritischste Fall einer Kühlpanne gleich am Anfang, wenn noch kein oder kaum Umsatz stattgefunden hat.

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Bei Semibatch-Reaktionen, also wenn eine der Komponenten zudosiert wird, hängt der gefährlichste Zeitpunkt von der Anreicherung nicht umgesetzter Reaktanden ab.

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Um den schlimmstmöglichen Fall anzunehmen, wird häufig eine komplette Akkumulation des Reaktionspotenzials unterstellt.

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Der zeitliche Verlauf der Temperaturkurve hängt von der Kinetik der Reaktion ab.

00:02:58.120 --> 00:03:04.360
In der Regel wird die MTSR schon bald nach einer Kühlpanne erreicht.

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Gegebenenfalls kännen auf dem Temperaturniveau der MTSR weitere Folge- oder Zersetzungsreaktionen initiiert werden.

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Diese lassen die Temperatur weiter ansteigen, bis auf den Wert T-end,

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der von der Reaktionswärme der Sekundärreaktionen abhängt.

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Entscheidend für die Sicherheit des Prozesses ist,

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welches Temperaturniveau eine Kühlpanne bei der bestimmungsgemäßen Reaktion erreichen kann,

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ob Folgereaktionen möglich sind und, wenn ja, die verbleibende Zeit zwischen dem Eintritt der Kühlpanne und dem Erreichen der maximalen Temperaturanstiegsgeschwindigkeit.

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Für die Bewertung der Kritikalität einer exothermen Reaktion sind demnach insbesondere von Bedeutung:

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Die Prozesstemperatur Tp

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Die maximale Temperatur der Synthesereaktion MTSR und

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Die Endtemperatur, die einen Hinweis auf die thermische Energie mäglicher Folgereaktionen gibt.

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Dazu kommen noch zwei besondere Temperatur-Grenzwerte:

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Der Siedepunkt des Systems.

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Dieser kann in einem drucklosen System gegebenenfalls als „Siedebarriere“ dienen, welche einen weiteren Temperaturanstieg verhindern oder zumindest verzögern kann.

00:04:31.520 --> 00:04:44.560
Die Grenztemperatur Texo. Dies ist die hächste Temperatur, bei welcher die Reaktionsmasse gerade noch thermisch stabil, also sicher ist.

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Texo kann jedoch nicht eindeutig und abschließend für einen Stoff definiert werden,

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denn die Grenztemperatur wird wesentlich von dem Zusammenspiel von Wärmeproduktion der Reaktion und Wärmeabfuhr durch das System bestimmt.

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Setzt man diese Temperaturen in Relation zueinander, so lassen sich verschiedene „Kritikalitätsklassen“ bilden.

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Ein Bewertungskonzept, das der schweizerische Sicherheitsexperte Francis Stoessel entwickelt hat.

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In der Kritikalitätsklasse „a“ wird bei einer Stärung die Temperatur auf die MTSR ansteigen, aber der Siedepunkt Ts wird nicht erreicht und die Zersetzung nicht ausgeläst.

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Der Prozess ist daher thermisch sicher.

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In der Kritikalitätsklasse „b“ wird bei einer Stärung die Temperatur auf die MTSR ansteigen, der Siedepunkt und die Grenztemperatur werden wieder nicht erreicht.

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Im Unterschied zu „a“ liegt der Siedepunkt oberhalb der Grenztemperatur Texo.

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Wird die Reaktionsmasse über längere Zeit unter Wärmestaubedingungen gehalten, kännte ggf. aufgrund der geänderten Randbedingungen Texo sinken.

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Dann würde die Zersetzung ausgeläst und der Siedepunkt erreicht werden.

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Dies kann gefährlich sein, wenn die Wärmeleistung der Zersetzungsreaktion groß ist und dadurch viel verdampfen kann.

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Stark exotherme Reaktionen, die ohne oder mit geringen Mengen Lösemittel durchgeführt werden, sind ebenfalls kritisch zu bewerten.

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Solange die Reaktionsmasse aber nicht für längere Zeit unter Wärmestaubedingungen gehalten wird, ist der Prozess thermisch sicher.

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Die Kritikalitätsklasse „c“ beschreibt den klassischen Fall, dass die bestimmungsgemäße Reaktion das Hauptgefahrenpotenzial des Prozesses darstellt.

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Liegt bei einer Störung die MTSR oberhalb des Siedepunktes, wird in einem offenen System die Verdampfungskühlung als Temperaturbarriere wirken.

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In einem geschlossenen System entspricht die rosafarbene Linie dem Temperaturniveau, das beim Ansprechen einer Druckentlastungseinrichtung vorliegt,

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wenn also ein Sicherheitsventil oder eine Berstscheibe öffnet.

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In dieser Situation hängt die Sicherheit des Prozesses von der Wärmeleistung der Synthesereaktion am Siedepunkt ab.

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Als Faustregel sollte der Siedepunkt daher nicht wesentlich über der Prozesstemperatur liegen,

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damit die Wärmeproduktionsgeschwindigkeit kleiner bleibt als die Wärmeabfuhrleistung durch die Verdampfung.

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Der Prozess ist dann thermisch sicher – sofern ausreichend Lösemittel vorhanden ist.

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Die Herausforderungen an die Reaktionsführung nehmen zu, wenn die Ausläsung von Folgereaktionen mäglich oder wahrscheinlich ist.

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In der Kritikalitätsklasse „d“ liegt bei einer Stärung die MTSR oberhalb des Siedepunktes im Bereich der Zersetzung.

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In dieser Situation hängt die Sicherheit des Prozesses von der Wärmeleistung der Synthesereaktion und der Zersetzungsreaktion beim Siedepunkt ab.

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Eine Maßnahme, um die Temperatur unter Kontrolle zu halten, ist auch hier die Nutzung der Verdampfungskühlung.

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Hierzu muss entweder eine ausreichende Menge an Lösemittel vorhanden sein

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oder das Destillationssystem muss selbst bei Energieausfall noch funktionieren, um genügend Kondensat im Kreis zu führen.

00:08:45.800 --> 00:08:52.640
Stark exotherme Reaktionen, die ohne oder nur mit geringen Mengen Lösemittel durchgeführt werden,

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bei denen also die Siedebarriere nicht ausgeprägt ist, erfordern besondere Maßnahmen zur sicheren Prozessführung.

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In der Kritikalitätsklasse „e“ schließlich wird bei einer Störung die Zersetzungsreaktion ausgelöst und der Siedepunkt erst im Verlauf der durchgehenden Reaktion erreicht.

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In einem solchen Fall ist es unwahrscheinlich, dass die Verdampfungskühlung noch als Temperaturbarriere wirkt.

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Die thermische Sicherheit des Prozesses wird bestimmt durch die Wärmeleistung der Zersetzungsreaktion am Siedepunkt.

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Da Zersetzungsreaktionen meist sehr hohe Energien haben, muss die Auslegung der Sicherheitsmaßnahmen mit besonderer Sorgfalt vorgenommen werden.

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Zusammengefasst: Im Rahmen des so genannten Kühlpannen-Konzeptes kännen Reaktionen sicherheitstechnisch bewertet und klassifiziert werden.

00:09:49.880 --> 00:09:57.240
Maßnahmen zur Beherrschung der thermischen Gefahren können so nachvollziehbar abgeleitet und dargestellt werden.

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Auch wenn dieses Konzept mit dem Ausfall der Kühlung und der Akkumulation von Reaktionspotenzial einen großen und bedeutenden Teil der Szenarien thermischer Gefahren abdeckt,

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so müssen im Rahmen des Sicherheitskonzeptes darüber hinaus weitere mägliche Abweichungen in analoger Weise bewertet werden.

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Und werden bei der bestimmungsgemäßen Reaktion oder der Zersetzung Gase gebildet,

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muss bei der Auslegung der Anlage und ihrer Komponenten dem Aspekt „Druck“ besonders Rechnung getragen werden.