Würzburger Tabelle 2018

Abfindung von zivilrechtlichen Personenschadenersatzansprüchen

Werden Personenschadenersatzansprüche abgefunden, hat die Wahl des Abfindungszinssatzes einen großen Einfluss auf die Höhe des Abfindungsbetrages. Ein hoher Abfindungszins führt zu einer geringen Abfindungszahlung und liegt damit im Interesse des Zahlungspflichtigen (Schädiger). Umgekehrt liegt ein niedriger Abfindungszins im Interesse des Geschädigten, weil er dadurch eine höhere Abfindungssumme erhält.

Angesichts der mittlerweile seit weit über 10 Jahren anhaltenden Niedrigzinslage, mit Nullzinspolitik und keiner Aussicht auf Veränderung in den nächsten 10 Jahren (H.-W. Sinn in Focus-Money 9/16, S. 36) gewinnt die Abfindungskalkulation mit einem angemessenen Zins immer größere Bedeutung. Auch der inflationsbedingte Wertverlust spielt dabei eine Rolle. Schließlich wird die Abfindungssumme während der Laufzeit, für die eine Kapitalisierung der Ansprüche erfolgt, durch den inflationsbedingten Wertverlust gemindert. Dadurch steht dem Anspruchsberechtigten für die Abfindungslaufzeit ein deutlich geringerer Betrag zur Verfügung. Es droht somit auch hier eine Deckungslücke.

Um diese Lücke zu schließen, ist der Abfindungszins (= Nominalzins) um den Kaufkraftverlust zu mindern. Dadurch erhält man den Realzins. Mit diesem kann die Deckung des Schadens über die gesamte Laufzeit gesichert werden.

Die Auswirkungen dieser Korrelation zeigen sich in der jüngeren Vergangenheit besonders deutlich: Die wirtschaftlichen Variablen sind nach der Jahrtausendwende aus einem Rahmen ausgebrochen, der vorher als stabil eingeschätzt wurde. Eine Folge dieser Entwicklung ist ein negativer Realzins, d.h. kleiner Null. Dieser Effekt wird sich verstärken, wenn – wovon auszugehen ist – die Inflationswerte in der Zukunft durch die Politik der Notenbanken (Zielmarke der EZB: konstant 2% Inflation), die Lohnzuwächse und Preissteigerungen bei den Rohstoffen wieder zunehmen. Kalkulatorische negative Realzinsen waren und sind aber an und für sich nicht ungewöhnlich (vgl. Coen, Der negative Basiszinssatz nach § 247 BGB in NJW 2012, 3330).
Dem folgend muss der Realzins bei der Wahl des Abfindungszinses konsequent kalkuliert bzw. festgelegt werden, um wirtschaftlich angemessene und für beide Vergleichsparteien gerechte Ergebnisse bei der Abfindungskalkulation zu erhalten.

Die Würzburger Tabelle setzt diesen Ansatz um. Sie basiert auf den Werten der Deutschen Bundesbank für Umlaufrenditen der öffentlichen Hand der vergangenen 30 Jahre (Zeitreihe WU 0004), und auf dem vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Verbraucherpreisindex der Bundesrepublik Deutschland.

Im Ergebnis spiegelt die Würzburger Tabelle den Verlauf der Vergangenheit für die (Abfindungs-)Zukunft, jeweils bezogen auf die gleiche Zeitdauer (= Laufzeit).

Zur Vertiefung wird auf die Beiträge von Kornes in der Zeitschrift „Recht und Schaden“, Heft 12/2003, Seite 485 bis 493 und Heft 1/2004, Seite 1 bis 8 und „Versicherungsrecht“ Heft 19/2015, S. 794-809 verwiesen.

In der auf der folgenden Seite abgedruckten Tabelle ist ab 1993 – im Gegensatz zu der in der Fachpublikation veröffentlichten Tabelle – der Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte im wiedervereinigten Deutschland berücksichtigt.

Laufzeit Zukunft (Jahre) Bewertungszeitraum von … bis 2017 Summe der Realzinssätze im Bewertungszeitraum Realer Durchschnittszins in Prozent
1 2017 -1,6 -1,6
2 2016 -1,6 - 0,5 = -2,1 -1,1
3 2015 -2,1 + 0,1 = -2,0 -0,7
4 2014 -2,0 + 0,2 = -1,8 -0,5
5 2013 -1,8 + -0,1 = -1,9 -0,4
6 2012 -1,9 + -0,7 = -2,6 -0,4
7 2011 -2,6 + 0,4 = -2,2 -0,3
8 2010 -2,2 + 1,4 = -0,8 -0,1
9 2009 -0,8 + 2,8 = 2,0 0,2
10 2008 2,0 + 1,5 = 3,5 0,4
11 2007 3,5 + 2,0 = 5,5 0,5
12 2006 5,5 + 2,3 = 7,8 0,7
13 2005 7,8 + 1,6 = 9,4 0,7
14 2004 9,4 + 2,2 = 11,6 0,8
15 2003 11,6 + 2,7 = 14,3 1,0
16 2002 14,3 + 3,2 = 17,5 1,1
17 2001 17,5 + 2,8 = 20,3 1,2
18 2000 20,3 + 3,9 = 24,2 1,3
19 1999 24,2 + 3,7 = 27,9 1,5
20 1998 27,9 + 3,4 = 31,3 1,6
21 1997 31,3 + 3,1 = 34,4 1,6
22 1996 34,4 + 4,3 = 38,7 1,8
23 1995 38,7 + 4,7 = 43,4 1,9
24 1994 43,4 + 4,1 = 47,5 2,0
25 1993 47,5 + 1,8 = 49,3 2,0
26 1992 49,3 + 2,9 = 52,2 2,0
27 1991 52,2 + 5,0 = 57,2 2,1
28 1990 57,2 + 6,3 = 63,5 2,3
29 1989 63,5 + 4,3 = 67,8 2,3
30 1988 67,8 + 4,9 = 72,7 2,4

Anwendung der Tabelle

Mit Hilfe der Würzburger Tabelle kann auf einen Blick der für eine Abfindung heranzuziehende, reale Tabellenzins für sämtliche Laufzeiten ermittelt werden.

Beispiel 1 – Laufzeit 10 Jahre

In Spalte „Laufzeit“ 10 Jahre, in Spalte „realer Durchschnittszins“ den Wert ablesen: 0,4 %

Beispiel 2 – Laufzeit 30 Jahre

In Spalte "Laufzeit" 30 Jahre, in Spalte "realer Durchschnittszins" den Wert ablesen: 2,4 %

Anschließend kann mit diesem „realen“ Abfindungszins der Faktor aus den allgemein veröffentlichten Abfindungstabellen (Zeitrententabelle) abgelesen bzw. ermittelt werden.

Anpassung der Tabelle

Die Tabelle wird einmal jährlich angepasst, sobald die Daten des Statistischen Bundesamts (Preisindex) und der Deutschen Bundesbank (Umlaufrendite) für das abgelaufene Kalenderjahr veröffentlicht wurden.

Die Tabelle wurde mit Sorgfalt erstellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Zahlen kann dennoch nicht übernommen werden.