G 1.6 Sauergas

Arbeiten in Bereichen mit der Möglichkeit einer Schwefelwasserstoffexposition sind nur für geeignete und unterwiesene Personen zulässig, die Atemschutzisoliergeräte tragen.

 

Als „Sauergas“ wird ein Erdgas bezeichnet, das Anteile von Schwefelwasserstoff enthält. Schwefelwasserstoff (H2S) ist ein farbloses Gas, das ein leicht entzündliches Gas-Luft-Gemisch bilden kann. Es ist etwas schwerer als Luft und löst sich in Wasser.

Mögliche Gefahren

Tabelle: Wirkung von Sauergas

Tabelle: Wirkung von Sauergas
ppm = parts per million

  • hohes Vergiftungsrisiko
  • Erstickungsgefahr durch Einatmen (siehe Tabelle)
  • Reizungen durch Haut- bzw. Augenkontakt bei Einwirkung von flüssigem Schwefelwasserstoff
  • Brand- und Explosionsgefahr

Gefahrenquellen, die nicht offensichtlich sind

  • unter Druck eingeschlossenes Sauergas, z. B. in ausgebauten Armaturen
  • Hydrate in Rohrleitungssystemen
  • absorbiertes Sauergas (Flüssigkeiten aus druckentlasteten Sauergassystemen)
  • Freisetzung aus Porenräumen, z. B. Bohrkerne
  • Diffusion durch ungeeignete Materialien

Maßnahmen

Bei Arbeiten in Bereichen mit der Möglichkeit einer Schwefelwasserstoffexposition sind ständige Konzentrationsmessungen erforderlich.
Bei Arbeiten in Bereichen mit der Möglichkeit einer Schwefelwasserstoffexposition sind Atemluftkontrollgeräte und Isolierfluchtgeräte bereitzustellen.

Technische Maßnahmen

  • Aufbereitung im geschlossenen System
  • Explosionsschutz
  • ständige Konzentrationsmessungen 1

Organisatorische Maßnahmen

  • Arbeiten in Bereichen mit der Möglichkeit einer Schwefelwasserstoffexposition nur für geeignete und unterwiesene Personen
  • Abtrennung von anderen Produktionsbereichen und dem Sozialbereich
  • Zugangsbeschränkung und Kontrolle
  • schriftliche Arbeitserlaubnis
  • Atemluftkontrollgeräte und Isolierfluchtgeräte 2 bereitstellen
  • regelmäßiges Havarietraining
  • Anwesenheit von geeigneten Personen mit Atemschutzisoliergeräten 3 sicherstellen
  • spezielle Materialien der Ersten Hilfe, sogenannte Notfallsets, bereithalten: Sauerstoff mit Möglichkeit der Befeuchtung, Beclometasonspray, Antidot (4-DMAP, Methylenblau) und Gerätschaften zur endotrachealen Intubation

Beschäftigungsbeschränkungen

  • werdende und stillende Mütter entsprechend der Gefährdungsbeurteilung
  • Jugendliche dürfen nicht in Bereichen mit Sauergas beschäftigt werden

Betriebsanweisungen

  • Die Beschäftigten müssen anhand von Betriebsanweisungen in regelmäßigen Abständen unterwiesen werden.

Arbeitsmedizinische Vorsorge

  • Die arbeitsmedizinische Vorsorge ist auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung zu organisieren. Hierzu erfolgt die betriebsärztliche Beratung.

Persönliche Schutzausrüstung
Auswahl gemäß Gefährdungsbeurteilung, hier insbesondere

  • flammhemmende, dichte Schutzkleidung
  • Chemikalienschutzanzug
  • Isolierfluchtgerät

Weitere Informationen

  • Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
  • Merkblätter
    • Kühn/Birett S 014 „Schwefelwasserstoff“
    • BASF „Medizinische Leitlinien bei akuten Einwirkungen von chemischen Substanzen Schwefelwasserstoff H2S“