Schwerpunktthema "Sonne und Hitze" aus der aktuellen Ausgabe 2|2024

Über die nachfolgenden Zusammenfassungen gelangen Sie direkt zu den einzelnen Beiträgen des Schwerpunktthemas:


Ohne Sonnenschutz geht es nicht

Die Sonne ist für Mensch und Natur lebensnotwendig – ohne sie gäbe es kein Leben auf unserem Planeten. Sie birgt aber auch Gefahren: Die Haut kann durch die natürliche UV-Strahlung geschädigt werden. Die Belastung ist besonders für Menschen, deren berufliche Tätigkeit überwiegend im Freien stattfindet, gravierend. Worauf Sie achten müssen und wie Sie sich schützen können.

Durch den Klimawandel dehnt sich die Periode mit warmen Sonnentagen aus: Wir genießen schon früh im Jahr die ersten Strahlen auf der Haut und freuen uns noch Ende Oktober über angenehme Stunden im Freien. Was für unser Wohlbefinden gut sein mag, ist umso schädlicher für unsere Haut. Denn durch die von Menschen verursachten Umwelteinflüsse, die zum Beispiel für das Entstehen des Ozonlochs beziehungsweise das Verschwinden der Ozonschicht verantwortlich gemacht werden, nimmt die UV-Strahlung auf der Erde zu. Das kann zu chronischen Lichtschädigungen auf der Haut und zu Hautkrebs führen.

Einschätzung der Sonnenstrahlung
Um die Sonnenstrahlung einschätzen und Schutzmaßnahmen treffen zu können, muss man die zu erwartende höchste Strahlungsintensität kennen. Dafür kann der UV-Index herangezogen werden. Er ist ein Prognoseinstrument und wird mittlerweile in zahlreichen Wetter-Apps angegeben. Ab einem UV-Index von 3 muss man die Haut vor Sonnenstrahlung schützen. 

Zur Orientierung kann man auch die sogenannte Schattenregel verwenden: Ist der Schatten des eigenen Körpers kleiner als die Körpergröße, besteht eine hohe Gefährdung. Ist der Schatten dagegen doppelt so groß wie die eigene Körpergröße, besteht keine.

Eigenschutzzeit und Hauttyp
Ist die Sonnenstrahlung zu intensiv, wird die Haut relativ schnell rot. Die Zeit, die vom Beginn der Sonnenstrahlung bis zum Einsetzen einer Rötung (Erythem) vergeht, wird als Eigenschutzzeit der Haut bezeichnet. Die Rötung kann zu einem schmerzhaften Sonnenbrand werden, nach dem sich die Haut schält. In den Hautzellen wird durch die Strahlung UV-absorbierendes Pigment, das Melanin, gebildet, wodurch sich die Haut bräunt. Das ist eine Schutzreaktion der Haut – die Verweildauer in der Sonne kann durch die Pigmentbildung bis auf das Zwei- oder Dreifache verlängert werden.

Allerdings hängt die Eigenschutzzeit sehr stark vom natürlichen Pigmentierungstyp ab – je dunkler die nicht sonnengebräunte Haut ist, desto länger ist die Eigenschutzzeit. Zur Orientierung über die natürliche Pigmentierung dient das System der sechs Hauttypen nach Fitzpatrick. Das hilft zum Beispiel bei der Auswahl von Sonnenschutzmitteln. Je länger der geplante Aufenthalt in der Sonne und je heller der Hauttyp ist, desto höher sollte der Lichtschutzfaktor sein. Kennen Sie Ihren Hauttyp? Einen Fragebogen zur Ermittlung gibt es in unserem Downloadcenter unter dem Suchbegriff: Hauttyp.

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Positive Effekte von Sonnenlicht 
Die Sonnenstrahlung ist ein Hauptfaktor für die körpereigene Bildung von Vitamin D. Dieses ist für den Knochenstoffwechsel und damit für die Knochenstabilität sehr bedeutend. Der Biorhythmus, gerne auch als innere Uhr bezeichnet, wird durch das Sonnenlicht getriggert. So werden beispielsweise im Tagesverlauf die Ausschüttung des Hormons Melatonin, die Körpertemperatur, der Blutdruck und der Stoffwechsel gesteuert. Ebenso ist die Wirkung auf unsere Psyche stark von Sonnenlicht beeinflusst und wird auch therapeutisch zur Verbesserung von depressiven Stimmungslagen eingesetzt. Bestimmte Hauterkrankungen wie zum Beispiel Schuppenflechte oder Neurodermitis werden mit UV-Licht behandelt.  

Negative Effekte von Sonnenlicht
Ein kurzfristiger negativer Effekt des Sonnenlichts ist schmerzhafter Sonnenbrand. Auch das Immunsystem  wird durch übermäßige Sonnenstrahlung geschwächt. Chronische negative Auswirkungen der natürlichen UV-Strahlung zeigen sich meist erst Jahre später.

Dabei werden harmlose Veränderungen wie die vorzeitige Hautalterung mit starker Faltenbildung oder Pigmentstörungen in Form von Altersflecken an besonders sonnenbestrahlten Hautpartien eher als Schönheitsmakel und weniger als chronischer Lichtschaden aufgefasst. Deutlich schwerwiegender sind Hautveränderungen, aus denen sich Hautkrebs entwickeln kann. So sind etwa aktinische Keratosen, die sich als flache, schuppende Hautveränderungen zeigen, eine Frühform des Plattenepithelkarzinoms, welches zum weißen Hautkrebs zählt. Wann Hautkrebs eine Berufskrankheit ist, lesen Sie im Artikel „Die Folgen zeigen sich erst Jahre später“.

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Schutzmaßnahmen bei beruflicher Sonnenlichtexposition
Sonnenschutz im Privatleben und am Arbeitsplatz ist unverzichtbar. Sind Beschäftigte beruflich UV-Strahlung ausgesetzt, muss die Gefährdung durch Sonnenlicht in der Gefährdungsbeurteilung dokumentiert werden, um wirksame Maßnahmen ergreifen zu können. In diesem Zusammenhang ist auch die Unterweisung der Beschäftigten zu den jeweiligen Schutzmaßnahmen unabdingbar. Bei Gefährdung durch natürliches Sonnenlicht ist die bekannte Maßnahmenhierachie des TOP-Prinzips einzuhalten:

  • Technische Maßnahmen sind gerade bei Tätigkeiten im Freien oft schwer zu realisieren. Sie zielen auf die Verhinderung der Sonneneinstrahlung am Arbeitsplatz mittels Verschattung, zum Beispiel durch Schirme, Zelte oder Baldachine. 
     
  • Als organisatorische Maßnahme zählt zum Beispiel, die Arbeit in Zeiten zu verlegen, in denen die Sonnenstrahlung weniger intensiv ist. Ebenso können „Südseiten-Arbeiten“ in die Morgenstunden und „Nordseiten-Arbeiten“ in die Mittagszeit verlegt werden. Während der Pausen sollten sich die Beschäftigten möglichst im Schatten aufhalten. 
     
  • Bei den persönlichen Schutzmaßnahmen ist körper- beziehungsweise körperteilabdeckende Schutzkleidung der reinen Anwendung von Sonnenschutzmitteln vorzuziehen. Es gibt spezielle UV-Schutzkleidung mit UV-Standard-801-Kennzeichen, grundsätzlich schützt aber auch langärmelige Kleidung mit möglichst dicht gewebten Materialien. Eine Kopfbedeckung beziehungsweise ein Helm sollte ein Nackenschutztuch haben. Die Augen werden mit einer Sonnenbrille mit UV-Filterung geschützt.

Sonnenschutzmittel: Viel hilft viel
Auch das Verwenden von Sonnenschutzmittel zählt zu den persönlichen Schutzmaßnahmen. Der Lichtschutzfaktor (LSF) gibt an, um das Wievielfache die Eigenschutzzeit der Haut theoretisch verlängert werden kann. Das Wiedereincremen macht vor allem deshalb Sinn, weil verschwitzte Hautstellen oder Abrieb das Sonnenschutzmittel reduzieren können und der Schutz durch das erneute Eincremen aufrechterhalten wird. Die Schutzzeit der Haut kann dadurch aber nicht verlängert werden. 

Ein häufiger Fehler, der beim Eincremen gemacht wird: Es wird zu wenig Sonnenschutzmittel benutzt. Zur Einschätzung, wie viel Creme man für den Körper braucht, hilft die 11-Zonen-Regel. Für jede Körperzone wird je eine Menge nach der Zweifingermethode – also je ein Cremestrang auf Zeige- und Mittelfinger - empfohlen. Ist nur das Gesicht einzucremen, hilft eine haselnussgroße Menge.

Arbeitsmedizinische Vorsorge
Gerade im Hinblick auf die möglichen Spätfolgen solarer Belastungen ist die arbeitsmedizinische Vorsorge ein wichtiges Element der Prävention. Der Unternehmer oder die Unternehmerin muss sie den Beschäftigten zur Verfügung stellen, wenn diese „Tätigkeiten im Freien mit intensiver Belastung durch natürliche UV-Strahlung von regelmäßig einer Stunde oder mehr am Tag“ ausüben. 

In der DGUV-Empfehlung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge „Natürliche optische Strahlung (Sonnenstrahlung)“ sind die Inhalte der Vorsorge beschrieben. Die zugehörigen Fristen werden durch die Arbeitsmedizinische Regel (AMR) 2.1 vorgegeben. Demnach muss die Erstvorsorge innerhalb von drei Monaten vor Aufnahme und spätestens innerhalb von zwölf Monaten nach Aufnahme der Tätigkeit erfolgen, die weitere Vorsorge innerhalb von 36 Monaten nach der vorhergehenden.

Sehr sinnvoll für Privatpersonen ist das Hautkrebs-Screening des ganzen Körpers, das von den gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre ab dem 35. Lebensjahr angeboten wird.

Unsere Merkblätter und Broschüren zum Thema Sonnenschutz und UV-Strahlung finden Sie in unserem Auswahlassistenten unter den Suchbegriffen „Sonnenschutz“ und „UV-Strahlung“.

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Dr. Helmut Walter, BG RCI


Wenn die Lufttemperaturen ansteigen

Im Zusammenhang mit dem Klimawandel wird häufig von „Hitze am Arbeitsplatz“ gesprochen. Dabei ist der Begriff Hitzearbeit klar definiert. Hohe Temperaturen im Sommer gehören nicht dazu, können aber auch Schutzmaßnahmen nötig machen und zu gesundheitlichen Einschränkungen führen.

Hitzebelastung vs. Hitzearbeit
„Hitze am Arbeitsplatz“ kann verschiedene Ausprägungen haben:

Hitzearbeit: Arbeitsplätze mit extremer Hitzebelastung wie zum Beispiel Arbeiten an vorgewärmten Pfannen im Stahlwerk oder Heißreparaturen an Thermoprozessanlagen, die nicht beziehungsweise nur unwesentlich dem Einfluss der sommerlichen Wärme unterliegen und zu einem Anstieg der Körperkerntemperatur beim Menschen führen, werden als Hitzearbeit bezeichnet.

Wärmebelastete Arbeitsplätze: Arbeitsplätze, an denen durch einen betriebstechnischen Wärmeeintrag die Raumtemperatur 26 °C übersteigt (unabhängig von der Außentemperatur), wie  zum Beispiel in Produktionsbereichen der Kunststoffindustrie oder Industriegebäuden mit produktbedingt erforderlichen höheren Umgebungstemperaturen, werden als wärmebelastete Arbeitsplätze bezeichnet.

Klimabelastete Arbeitsplätze: Arbeitsplätze, an denen es aufgrund der sommerlichen Außentemperaturen zu einer Überschreitung der gesundheitlich zuträglichen Raumtemperatur von maximal 26 °C kommt, werden als klimabelastete Arbeitsplätze bezeichnet. Häufig finden sich solche Arbeitsplätze zum Beispiel in Lagern oder in Gebäuden ohne ausreichende Klimatisierung. Auch im Freien können Beschäftigte in den Sommermonaten hohen Temperaturen direkt oder indirekt durch die Sonnenstrahlung ausgesetzt sein.
    
In diesem Themenschwerpunkt geht es um die sommerliche Hitze, also um klimabelastete Arbeitsplätze. Der Treibhauseffekt ist der Haupttreiber des Klimawandels. Einige in der Erdatmosphäre vorhandenen Gase wirken wie das Glas eines Gewächshauses: Sie lassen Sonnenstrahlung herein, aber ihre Abstrahlung zurück in den Weltraum wird verhindert. Viele dieser Treibhausgase, zum Beispiel Kohlendioxid, Methan und Distickstoffmonoxid, sind natürliche Bestandteile der Erdatmosphäre, aber infolge menschlicher Aktivitäten steigt deren Konzentration. Auch Gase, die die schützende Ozonschicht angreifen, zum Beispiel Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), begünstigen den Treibhauseffekt.

Arbeitsplätze in Räumen - Sommerhitze
Arbeitsplätze in Räumen, die dem Einfluss sommerlicher Wärme unterliegen, werden in der Arbeitsstättenverordnung und besonders in der zugehörigen Technischen Regel ASR A3.5 – Raumtemperaturen - geregelt. Hier sind für Arbeitsräume Mindestwerte für die Lufttemperatur in Abhängigkeit von der Körperhaltung und der Arbeitsschwere festgelegt. Als Höchstwert gelten 26 °C.

Bedingt durch den Einfluss der sommerlichen Wärme können sich Gebäude erwärmen und zu einer Raumtemperatur oberhalb dieses Bereichs führen. Arbeitsräume sollten gebäudetechnisch so ausgestattet sein, dass Beschäftigte die Möglichkeit haben, eine für sie zuträgliche Raumtemperatur während der Nutzungsdauer einzustellen. 

Zum Schutz vor übermäßiger Sonneneinstrahlung und damit vor dem Wärmeeintrag sind Fenster, Oberlichter und Glaswände so zu gestalten, dass eine übermäßige Erwärmung vermieden wird. Hierzu sind diese Bauteile mit geeigneten Sonnenschutzsystemen auszurüsten. Die DGUV Information 215-444 „Sonnenschutz im Büro“ enthält Beispiele von Sonnenschutzvorrichtungen, die hinsichtlich ihrer Anbringung außerhalb, innerhalb oder auch direkt in die Fenster integriert sein können.

Allerdings kann an heißen Tagen die Raumtemperatur in Arbeitsräumen dennoch über der Höchsttemperatur von 26 °C liegen. Bei bis zu 30 °C sollen und bei darüber hinaus gehenden Temperaturen müssen Maßnahmen ergriffen werden, zum Beispiel

  • eine effektive Steuerung von Sonnenschutz- und Lüftungseinrichtungen, 
  • eine verstärkte Lüftung in den kühleren Morgenstunden, 
  • die Verwendung von Ventilatoren oder 
  • die Verlagerung von Arbeitszeiten.

Auch Getränke bereitzustellen ist eine sehr wichtige Maßnahme zum Gesundheitsschutz.

Übersteigt die Lufttemperatur in einem Raum 35 °C, so ist er nicht als Arbeitsplatz geeignet. Ist es aus betriebstechnischen Gründen dennoch erforderlich, in dem betroffenen Raum zu arbeiten, 
sind Schutzmaßnahmen wie bei Hitzearbeit erforderlich.

Die Kühlung von Räumen mittels Befeuchtung der Luft (adiabatische Kühlung) ist grundsätzlich zulässig, allerdings ist eine sogenannte Schwülegrenze einzuhalten. Diese ist mit einem absoluten Wassergehalt von 11,5 Gramm Wasser pro Kilogramm Luft definiert und bedeutet, dass zum Beispiel bei einer Lufttemperatur von 30 °C die relative Luftfeuchte maximal 44 Prozent betragen darf. 

Arbeitsplätze im Freien bzw. in nicht allseits umschlossenen Arbeitsstätten
Arbeitsplätze im Freien und in nicht allseits umschlossene Arbeitsstätten sind sehr stark bis komplett den jeweiligen Witterungsverhältnissen ausgesetzt. Laut Arbeitsstättenverordnung (Anhang 5.1) müssen sie so eingerichtet und betrieben werden, dass sie von den Beschäftigten bei jeder Witterung sicher und ohne Gesundheitsgefährdung erreicht, benutzt und wieder verlassen werden können. Dazu gehört, dass diese Arbeitsplätze gegen Witterungseinflüsse geschützt sind oder den Beschäftigten geeignete persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt werden. Arbeitsplätze im Freien sind nach Möglichkeit so einzurichten, dass die Beschäftigten nicht gesundheitsgefährdenden äußeren Einwirkungen ausgesetzt sind.
 
Aktuell ist eine neue Arbeitsstättenregel A5.1 für die Arbeit im Freien bzw. in nicht allseits umschlossenen Arbeitsstätten in Erarbeitung. Sie beinhaltet Beurteilungsmaßstäbe und Anforderungen für Schutzmaßnahmen, insbesondere für Gefährdungen durch die Witterungsverhältnisse (zum Beispiel solare UV-Strahlung, Niederschläge, Wind) und thermische Belastungen (Hitze und Kälte).

Im Blick auf erhöhte Außentemperaturen über 26 °C werden im Rahmen der Gefährdungsermittlung Temperaturzuschläge aufgrund von Arbeitsschwere und Bekleidung sowie für Sonnenstrahlung und erhöhte Luftfeuchten bei Überschreitung der Schwülegrenze zur gemessenen Außentemperatur addiert. Temperaturabschläge ergeben sich aufgrund von Wind. Mit den Zu- beziehungsweise Abschlägen wird eine Beurteilungstemperatur ermittelt, die je nach Abweichungsstufe aufeinander aufbauende Maßnahmen erfordern. Die abzuleitenden Handlungsanweisungen entsprechen den Temperaturstufen wie bei Überschreitung der Raumtemperatur über 26 °C gemäß der Arbeitsstättenregel A3.5.

Zudem wird die Erstellung eines Aktionsplans gegen Hitzebelastungen gefordert, um damit auf kommende Hitzeperioden und entsprechend erforderliche Maßnahmen vorbereitet zu sein.

Empfehlungen für Beschäftigte in Räumen an heißen Tagen

  • Nachtabkühlung nutzen: Nach Möglichkeit Räume nachts oder in den frühen Morgenstunden lüften
  • Wärmelasten im Büro (zum Beispiel Lampen, PC, Drucker, Scanner, Kopierer) möglichst reduzieren oder nur bei Bedarf in Betrieb nehmen
  • Ventilatoren nutzen
  • Klimaanlage nicht zu kalt einstellen. Die Temperaturdifferenz zu draußen sollte sechs Grad nicht übersteigen
  • Sonneneinstrahlung auf den Arbeitsplatz mit Jalousien oder Rollos gering halten oder möglichst ausschließen
  • Bekleidung sollte möglichst hell und luftdurchlässig sein, wenn die Tätigkeit im Schatten beziehungsweise im Raum stattfindet
  • Ausreichend trinken. Nicht zu kalt, keine stark gesüßten oder alkoholischen Getränke
  • Ernährung mit leichter Kost wie Salaten, Gemüse oder Obst. Möglichst keine fettreichen üppigen Mahlzeiten
  • Unterweisung zum Umgang mit und Verhalten bei erhöhten Temperaturen

Zusätzliche Empfehlungen für Arbeiten im Freien

  • Arbeitsbeginn so früh wie möglich
  • Arbeiten während der größten Tageshitze meiden 
  • Direkten Aufenthalt in der Mittagssonne möglichst meiden. Ist Schatten von Gebäuden vorhanden, dann möglichst „Südseitenarbeiten“ morgens und „Nordseitenarbeiten“ eher mittags
  • Schwere körperliche Tätigkeiten in der Mittagshitze vermeiden und immer wieder Phasen zur Entwärmung im Schatten oder in kühleren Räumen vorsehen
  • Verwendung von Kühlwesten oder beispielsweise auch von Kühlelementen für Helme
  • Gegebenenfalls arbeitsmedizinische Vorsorge wegen UV-Strahlung

Dr. Helmut Walter, BG RCI
 


Allergien und Infektionen nehmen zu

Studien zeigen, dass allergische Atemwegserkrankungen immer häufiger auftreten. Eine der Ursachen: der Klimawandel. Er führt außerdem dazu, dass Mücken vermehrt tropische Krankheiten übertragen.

Der Pollenflug
Wärmere Temperaturen führen zu einer Veränderung und Verschiebung der Jahreszeiten. Die Durchschnittstemperaturen im Herbst und Winter werden milder, Frühjahr und Sommer werden wärmer und länger. Die Blütezeiten der Pflanzen beginnen früher und dauern länger, sodass sich die Pollensaison insgesamt verlängert. 

Zusätzlich siedeln sich aufgrund des Temperaturanstiegs Pflanzenarten an, welche bislang in Deutschland nicht vorkamen, zum Beispiel die Beifuß-Ambrosie (auch als beifußblättriges Traubenkraut bekannt). 

Starker Pollenflug ist bei warmem, trockenem Wetter mit leichten bis mäßigen Winden zu erwarten. Bei kaltem, regnerischem Wetter ist die Luft meist pollenarm. Schwankungen treten auch über den Tag verteilt auf. In Städten steigt die Konzentration bis zum Abend meist an, während sie in den frühen Morgenstunden zwischen 6 und 8 Uhr gering ist. In ländlichen Regionen mit zahlreichen Wiesen ist die Pollendichte morgens zwischen 4 und 6 Uhr am höchsten, während sie abends zwischen 19 und 24 Uhr am geringsten ist. 

Besonders an pollenreichen Tagen treten je nach Arbeitsschwere und der damit einhergehenden vermehrten Atmung hohe Allergenbelastungen auf. Daher sollten besonders für im Freien Beschäftigte auch die Belastungen der Luft durch Pollen berücksichtigt und schwere Arbeiten möglichst auf „pollenarme“ Tage oder zumindest in pollenärmere Tageszeiten verlegt werden.

Infektionserkrankungen
Der Klimawandel wirkt sich auch auf das Vorkommen, die Verbreitung, die Aktivität und Möglichkeiten der Überwinterung und Übertragung von Infektionen von Tieren aus. Das Vorkommen bislang in unseren Breiten nicht bekannter, teils tropischer Arten ist eine zunehmende Gefahr. 

Schildzecken beispielsweise sind in Deutschland und Europa für die meisten auf den Menschen übertragbaren Infektionen verantwortlich. Einheimische Arten übertragen Infektionserreger wie das FSME-Virus oder Borreliose-Bakterien. Alle in der Natur beschäftigten Personen sollten eine Impfung gegenüber FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) erhalten. Gegen die Borreliose gibt es bislang keine Impfung, wobei nach einem Zeckenstich die betroffene Hautstelle beobachtet werden sollte. Spätestens beim Auftreten einer Wanderröte ist eine antibiotische Behandlung erforderlich, um damit ein Fortschreiten und Spätfolgen der Erkrankung zu vermeiden.

Einheimische Stechmücken stehen seit 2018 immer mehr im Verdacht, verschiedene Viren wie das West-Nil- und das Japan-Enzephalitis-Virus zu übertragen. Ein Beispiel für eine in Deutschland neu aufgetretene Stechmücke ist die Asiatische Tigermücke. Sie überträgt unter anderem das Dengue-, Zika- und Chikungunya-Virus. Dadurch treten immer häufiger sogenannte Tropenkrankheiten in unseren Breiten auf, ohne dass sich die Betroffenen jemals in den Tropenregionen aufgehalten haben.

Die zunehmende Klimaerwärmung erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Malaria in Europa wieder endemisch werden könnte. Malaria übertragende Anopheles-Mücken bevorzugen vor allem tropisches sowie subtropisches Klima. 

Zum Schutz vor Insektenstichen sollte möglichst geeignete Kleidung mit langen Ärmeln und Beinen getragen werden. Darüber hinaus ist das Stechverhalten auch von der Tageszeit und den Witterungsbedingungen abhängig – besonders in den frühen Abendstunden sind Stechmücken aktiv, ebenso bei feuchtem und warmem Klima. Zur Prävention von Insektenstichen bei Tätigkeiten im Freien beziehungsweise in nicht allseits umschlossenen Arbeitsstätten können unbedeckte Hautstellen mit sogenannten Repellentien eingesprüht werden. Repellentien sind Vergrämungsmittel, die von Stechmücken oder Zecken über den Geruchssinn wahrgenommen werden. Allerdings handelt es sich bei den Repellentien um Biozide, die selbst Nebenwirkungen wie hautreizende oder sensibilisierende Eigenschaften haben können. 

Die Wirkung von Repellentien wird durch Hautmittel wie Sonnenschutzmittel beeinflusst. Umgekehrt kann ein Repellent die Wirkung des Sonnenschutzmittels verringern. Daher sollte das Repellent erst 15 bis 30 Minuten nach dem Sonnenschutzmittel aufgetragen werden.

Dr. Helmut Walter, BG RCI
 


Die Folgen zeigen sich erst Jahre später

Hautkrebs ist eine ernsthafte Erkrankung, von der in Deutschland jedes Jahr etwa 220.000 Menschen betroffen sind. Besonders gefährdet sind Personen, die im Freien arbeiten, sei es in Steinbrüchen, auf Baustellen oder im Gartenbau.

2015 wurde Hautkrebs in die Berufskrankheitenverordnung (BKV) aufgenommen als Berufskrankheiten (BK) Nr. 5103: „Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung“. Bei den aktinischen Keratosen handelt es sich um eine Krebsvorstufe: Es sind raue, schuppende Male oder Plaques, die bevorzugt auf den vor Sonne nicht geschützten Hautarealen auftreten. Sie können vereinzelt, aber auch großflächig auftreten. Das Plattenepithelkarzinom, häufig auch als Spinaliom benannt, bezeichnet eine Form des weißen Hautkrebses. 

Die BG RCI registrierte im Jahr 2022 288 Verdachtsanzeigen auf die Berufskrankheit Nr. 5103, wobei 118 Fälle anerkannt wurden. In 27 Fällen wurde eine Rente gewährt. Nach der wissenschaftlichen Begründung können aktinische Keratosen nur dann als BK anerkannt werden, wenn sie multipel auftreten, also wenn sie

  • mit einer Zahl von mehr als 5 pro Jahr einzeln oder
  • konfluierend in einer Fläche von größer als 4 cm² (Feldkanzerisierung) auftreten.

Aufgrund der langen Latenzzeit zwischen der Exposition gegenüber UV-Strahlung und dem Auftreten einer Krebserkrankung wird diese oft erst nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben diagnostiziert. Wenn der Verdacht auf eine BK Nr. 5103 besteht, muss die BG RCI die berufliche Belastung durch UV-Strahlung untersuchen. Bei der Kausalitätsbewertung sind verschiedene konkurrierende Risikofaktoren von Bedeutung. Die nicht arbeitsbedingte UV-Strahlungsexposition ist dabei die wichtigste und bei jedem Menschen vorhanden. Wie lange verbrachte der oder die Betroffene pro Arbeitsschicht im Freien? Musste er oder sie beruflich oft in Regionen mit hoher UV-Strahlung reisen? Und wie gestalten sich seine oder ihre Urlaube und Freizeitaktivitäten? Diese Fragen müssen bei Verdacht auf eine BK Nr. 5103 geklärt werden. 

Zur privaten (nicht versicherten) natürlichen UV-Exposition muss zusätzlich eine 40-prozentige berufliche (versicherte) UV-Exposition hinzukommen. Ausgangspunkt dieser Rechnung ist die sogenannte Lebensbelastungsdosis. Es handelt sich hierbei um die Dosis UV-Strahlung, der jeder Mensch in Bezug auf sein Alter im Durchschnitt ausgesetzt gewesen ist. Sobald diese Schwelle überschritten wird, kann die Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt werden. Für die Kausalitätsbewertung ist die gesamte lebenslange UV-Strahlungsexposition bis zum Beginn der Hautkrebserkrankung von Bedeutung. 

Stellt die BG RCI die Gefahr des Entstehens, der Verschlimmerung oder des Wiederauflebens einer Berufskrankheit fest, muss sie ihr mit allen geeigneten Mitteln entgegenwirken. Auch wenn die medizinischen Voraussetzungen einer BK Nr. 5103 noch nicht vorliegen, wird bereits bei einer festgestellten BK-Exposition automatisch eine individuelle Beratung zur sogenannten Individualprävention bezüglich UV-Schutz eingeleitet. 

Nach Eingang der Meldung erfolgt zunächst die unmittelbare telefonische oder persönliche Kontaktaufnahme mit der versicherten Person. In diesem Beratungsgespräch kann festgestellt werden, welche konkreten Risiken am Arbeitsplatz und welche gesundheitlichen Probleme bestehen und wie ihnen wirksam begegnet werden kann. Die BG RCI wägt dann ab, welche Maßnahmen im Einzelfall ergriffen werden müssen, um die Gefahr abzuwenden. Die individuelle Beratung am Arbeitsplatz ist das Kernstück der Individualprävention bei der BK Nr. 5103.

Als geeignete Maßnahmen zum Erhalt des Arbeitsplatzes kommen grundsätzlich in Betracht: 

  • Maßnahmen am Arbeitsplatz: Technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen 
  • Medizinische Maßnahmen
  • Maßnahmen zur Verhaltensprävention/Gesundheitskompetenz

Die Individuelle Lichtschutzberatung (ILB) richtet sich an Versicherte in Außenberufen, die durch ihre Tätigkeit im Freien solarer UV-Strahlung in besonders hohem Maße ausgesetzt sind. Den Außenbeschäftigten soll trotz fortbestehender UV-Exposition ermöglicht werden, im Beruf weiterzuarbeiten. Hierfür werden mit den Teilnehmenden sowohl das notwendige Wissen erarbeitet als auch die eigenen Einstellungen reflektiert. Es werden individuelle Lichtschutzmaßnahmen erarbeitet, die auf den Arbeitsplatz der versicherten Person und den Freizeitbereich abgestimmt sind, und es wird ein Lichtschutzplan erstellt.

Nach Anerkennung einer BK Nr. 5103 steuert die BG RCI das Heilverfahren und übernimmt alle leitliniengerechten Therapien. Aufklärung und Beratung der Versicherten werden durch die Dermatologinnen/Dermatologen im Rahmen des Nachsorgekonzeptes (jährliche Nachsorge-/Kontrolluntersuchungen) sichergestellt. Hier werden auch Defizite im Sonnenschutzverhalten (beruflich und privat) abgefragt, und diesbezüglich wird eine entsprechende Beratung durchgeführt.

Nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft hat die Anwendung von Sonnenschutzmitteln positive Wirkungen auf den Erkrankungsverlauf und kann sogar zu einer Rückbildung (Remission) bereits bestehender Hautschädigungen führen. Aus diesem Grund werden von ärztlicher Seite das Vermeiden von starker und chronischer Sonnenlichtexposition und der Gebrauch von Sonnenschutzmitteln (UV-Schutzcreme) als Bestandteile der Therapie gesehen.

Betül Ergun, BG RCI