1.16 Warum wird für die Beurteilung elektrostatischer Zündgefahren die Mindestzündenergie ohne Induktivität zugrunde gelegt?

Die Beurteilung der Zündwirksamkeit einer elektrostatischen Entladung kann in vielen Fällen durch Vergleich der Energie oder Äquivalentenergie der zu erwartenden elektrostatischen Entladung mit der Mindestzündenergie (MZE) des betroffenen Stoffes oder Stoffgemisches erfolgen.
Die hier zu beurteilenden elektrostatischen Entladungen sind nahezu induktionsfrei. Dies gilt insbesondere für die Entladungsarten (z. B. Büschel-, Gleitstielbüschel-, Schüttkegel- oder Gewitterblitz-Entladungen), bei denen keine leitfähigen Teile - Erde ausgenommen - involviert sind.
Auch bei Funkenentladungen zwischen einem leitfähigen elektrostatisch aufgeladenen Teil und Erde bildet sich kein wirksamer elektrischer Schwingkreis aus, der die Wechselwirkungszeit (gegeben durch Mehrfachentladung) zwischen der Entladung und dem explosionsfähigen Gemisch vergrößern kann, da die Induktivitäten der beteiligten Teile vernachlässigbar sind.
Der einzige Induktionsvorgang findet beim Aufbau des Entladungskanals (Plasmakanals), d. h. bei der Entladung selbst statt. Dieser „induktive“ Bestandteil wird jedoch bei der Bestimmung der MZE mitberücksichtigt, da als Zündquelle ein Plasmakanal (einer Funkenentladung) verwendet wird.
Die nennenswerten Induktivitäten im Entladekreis der MZE-Apparatur sind neben den verwendeten Kondensatoren die Leitungen vom aufgeladenen Kondensatorsystem zur Entladestrecke. Es werden induktionsfreie Kondensatoren verwendet und die Leitungen sind so bemessen, dass die Bedingung gem. DIN EN 13821 / DIN EN ISO/IEC 80079-32-2 (Induktivität kleiner 25 µH im Entladekreis) erfüllt wird.    

Da die hier zu beurteilenden elektrostatischen Entladungen nahezu induktionsfrei sind, ist es für eine sachlich richtige Beurteilung erforderlich, die MZE ohne Induktivität zu Grunde zu legen.
(vgl. DIN EN 13821, sowie IEC 60079-32-1) In der Regel liegt die mit Induktivität ermittelte MZE niedriger; sie wird für die Beurteilung anderer Zündmechanismen, z. B. bei mechanischen Funken, verwendet.