Arbeitsmedizinische Vorsorge

Rechtzeitig gegensteuern

Viele berufsbedingte Erkrankungen entstehen nicht von heute auf morgen, sondern schleichend. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist es daher wichtig, sich regelmäßig ärztlich beraten und untersuchen zu lassen, damit gesundheitliche Beeinträchtigungen frühzeitig erkannt werden. Je eher das geschieht, desto größer sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung.

Der Gesetzgeber hat Unternehmen verpflichtet, auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung für eine angemessene arbeitsmedizinische Vorsorge zu sorgen. Arbeitgeber haben zur Durchführung der arbeitsmedizinischen Vorsorge einen Arzt oder eine Ärztin zu beauftragen, die die Gebietsbezeichnung „Arbeitsmedizin“ oder die Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin“ führen. Vorsorgeanlässe finden sich in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (Arb-MedVV).


DGUV-Information zu Eignungsuntersuchungen in der betrieblichen Praxis

In den letzten Monaten hat sich das Thema Eignungsuntersuchungen in vielen Betrieben zu einem häufig und hitzig diskutierten Thema entwickelt. Eignungsuntersuchungen berühren sowohl Arbeitsrecht als auch Arbeitsschutzrecht. Sie beinhalten sowohl arbeitsmedizinische als auch personalärztliche Aspekte. Mit der von der Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) herausgegebenen Synopse zu Eignungsuntersuchungen finden verantwortliche betriebliche Akteure eine informative Handlungshilfe zur rechtlichen Einordnung von Eignungsuntersuchungen in den betrieblichen Alltag.

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Passende Medien aus der Serie "kurz & bündig"

KB 011-1 Arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV – Teil 1: Grundlagen und Hinweise zur Durchführung

KB 011-2 Arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV – Teil 2: Ermittlung der Vorsorgeanlässe


Organisationsdienst für nachgehende Untersuchungen (ODIN)

Zwischen einer Tätigkeit mit krebserzeugenden bzw. keimzellmutagenen Gefahrstoffen und dem eventuellen Auftreten einer Berufskrankheit können viele Jahre vergehen. Es ist daher möglich, dass betroffene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer diese Tätigkeit längst aufgegeben haben oder ganz aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, wenn bei ihnen eine Erkrankung festgestellt wird. Der "Organisationsdienst für nachgehende Untersuchungen ", kurz ODIN, hilft dabei, dass auch nach dem Ausscheiden aus einer Tätigkeit mit krebserzeugenden bzw. keimzellmutagenen Stoffen und Zubereitungen arbeitsmedizinische Vorsorge angeboten wird.

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Welche Änderungen bringt die Novellierung der ArbMedVV? Interview mit Michael Koll vom BMAS

Am 24. Dezember 2008 trat die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) in Kraft. Ziel der Verordnung ist es, durch Maßnahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge arbeitsbedingte Erkrankungen einschließlich Berufskrankheiten frühzeitig zu erkennen und zu verhüten. Arbeitsmedizinische Vorsorge soll zugleich einen Beitrag zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit und zur Fortentwicklung des betrieblichen Gesundheitsschutzes leisten. Mit der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt trat am 31. Oktober 2013 die „Erste Verordnung zur Änderung der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge“ in Kraft. Im Interview erläutert Michael Koll, Leiter der Unterabteilung Arbeitsschutz des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), die wesentlichen Inhalte und Ziele der Änderungen.

Das Interview wurde im BG RCI.magazin 3/4 2014 veröffentlicht. Hier finden Sie den vollständigen Text als PDF-Datei.


TOP: Der Schutz des Menschen hat die höchste Priorität

Schutzmaßnahmen, die aus der Vorsorge abgeleitet werden, werden nach dem „TOP“-Prinzip priorisiert: im Vordergrund steht der technische Schutz, damit Gefährdungen am Arbeitsplatz gar nicht erst entstehen – zum Beispiel eine Lärmquelle kapseln. Ist dies nicht möglich, werden organisatorische Schritte empfohlen (zum Beispiel Arbeitsplatz von der Lärmquelle entfernen). Erst wenn auch dies nicht umsetzbar ist, kommt der persönliche Schutz zum Tragen – etwa der Einsatz von wirksamem Gehörschutz.


Die rechtliche Basis

Der Gesundheitsschutz spielt eine wichtige Rolle. Deshalb ist in der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention” die grundsätzliche Verpflichtung jedes Unternehmers/Unternehmerin festgelegt, alle Gefahren für die Gesundheit seiner Beschäftigten im Arbeitsleben zu vermeiden, zu beseitigen oder zu minimieren.

Auch hier gilt das „TOP”-Prinzip: Den Vorrang bei der Umsetzung dieser Forderung nehmen technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen ein; wenn diese nicht ausreichen, kommen personenbezogene Schutzmaßnahmen zur Anwendung. Aber selbst beim Einsatz persönlicher Schutzausrüstungen kann ein Restrisiko für die Beschäftigten bleiben und im Laufe der Zeit zu einer Berufskrankheit führen.

Um einem solchen Risiko so früh und wirksam wie möglich entgegenwirken zu können, enthielten die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften schon seit vielen Jahren detaillierte Forderungen zur gesundheitlichen Überwachung gefährdeter Personen. Die wesentlichen Bestimmungen wurden in die heute gültige  Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge übernommen.

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Untersuchungen im Bergbau

Im Bergbau gilt eine besondere Basis für die Untersuchungen: Die Gesundheitsschutz-Bergverordnung regelt hier die gesundheitliche Vorsorge im Geltungsbereich des Bundesberggesetzes.

Zu den arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen zählen Erstuntersuchungen vor Beginn der Beschäftigung, Nachuntersuchungen während der Beschäftigung und nachgehende Untersuchungen nach Beendigung der gefährdenden Tätigkeit. Untersuchungen werden vom Unternehmer veranlasst. Erstuntersuchungen sind innerhalb von 12 Wochen vor Beginn der Beschäftigung durchzuführen, Nachuntersuchungen werden innerhalb von sechs Wochen vor Ablauf der Fristen durchgeführt. Untersuchungen nach Beendigung einer Beschäftigung mit Gesundheitsgefährung werden in Zeitabständen von längstens fünf Jahren ermöglicht, wenn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

  • während ihrer Tätigkeit mit Krebs erzeugenden Gefahrstoffen umgegangen sind und dabei der Arbeitsplatzgrenzwert nach § 3 Abs. 6 der Gefahrstoffverordnung überschritten worden ist oder wenn sie fibrogenen Grubenstäuben ausgesetzt waren,
  • während der Beschäftigung mindestens eine Nachuntersuchung stattfand
    und
  • die Beschäftigung nach dem 31. Dezember 1991 beendet wird.

Zusätzlich regelt die Klima-Bergverordnung die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen für Personen, die unter bestimmten Temperatur- oder Klimabedingungen beschäftigt sind.

Da gemäß Gesundheitsschutz-Bergverordnung auch nach Tätigkeiten mit fibrogenen Grubenstäuben nachgehende Untersuchungen zu ermöglichen sind, wurde 1997 bei der Bergbau-Berufsgenossenschaft (heute BG RCI) der Bergbauliche Organisationsdienst für nachgehende Untersuchungen "Fibrogene Stäube" (BONFIS) eingerichtet. BONFIS organisiert auf der Grundlage der mit den Unternehmen abgeschlossenen Vereinbarungen die nachgehenden Untersuchungen für die Versicherten, die nach Exposition gegenüber fibrogenen Grubenstäuben aus den Unternehmen ausgeschieden sind.

Nachgehende Untersuchungen auf Krebs erzeugende Gefahrstoffe (außer Asbest) werden bereits seit 1987 durch den  Organisationsdienst für nachgehende Untersuchungen (ODIN) organisiert.

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