Im Fass brodelt es gewaltig

Feuchte Aktivkohle sprengt Spannring

In einem Mitgliedsunternehmen wurde Aktivkohle früher direkt vor dem Einsatz mit Wasser angefeuchtet. Mittlerweile bereitet ein Supportbetrieb am Standort die feuchte Kohle in verschlossenen Edelstahlfässern vor. Ende 2005 kam es zu einem Unfall. An einem 100-Liter-Edelstahlfass mit einer Aktivkohle-/Wasser-Mischung wurde eine leichte Wölbung des Fassdeckels beobachtet. Das Fass war mit einem abgedichteten Deckel, Spannring und Plombe verschlossen. Beim Versuch, den Spannring vorsichtig zu lösen, schleuderte dem Mitarbeiter der Fassdeckel ins Gesicht und verletzte ihn erheblich.

Verschiedene Versuche im Labor und im Betrieb zeigten, dass beim Benetzen oder Anfeuchten von Aktivkohle mit Wasser adsorbiertes Gas freigesetzt wird. Im vorliegenden Fall hatte sich im hermetisch verschlossenen Fass ein Druck von etwa 0,8 bar aufgebaut.

Alle untersuchten Aktivkohlen adsorbieren Gas wie Luft oder Kohlendioxid an ihrer Oberfläche. Durch das Anfeuchten der Aktivkohle mit Wasser oder mit Lösemitteln kann dieses adsorbierte Gas freigesetzt werden. Die freigesetzte Gasmenge ist stark vom ursprünglichen Wassergehalt der Kohle und dem Lösemittel abhängig. Je feuchter die Kohle ist, desto weniger adsorbiertes Gas wird freigesetzt. Organische Lösemittel bewirken in der Regel eine höhere Gasfreisetzung.

Die im konkreten Fall gemessenen Mengen an freigesetztem Gas beliefen sich auf 2,5 bis 7,9 Liter Gas pro Kilogramm Aktivkohle. Unmittelbar nach der Benetzung der Kohle mit Wasser oder einem organischen Lösemittel wird Gas freigesetzt. Diese Reaktion verzögert sich, wenn die vorgelegte Flüssigkeit mit Aktivkohle überlagert wird.

Fazit: Beim Benetzen oder Anfeuchten von Aktivkohle muss immer davon ausgegangen werden, dass adsorbiertes Gas freigesetzt wird. Beim Abfüllen in geschlossene Gebinde muss sichergestellt sein, dass diese sicher druckentlastet sind oder entlastet werden können. In dem Betrieb werden neben weiteren Maßnahmen alle Dichtungen aus den verwendeten Edelstahlfässern entfernt, so dass ein gefährlicher Druckaufbau nicht mehr möglich ist.

Siehe: Sichere Chemiearbeit 7/8/2006, Seite 68