Tödliche Benetzungen durch Tetramethylammoniumhydroxid

Hautresorption

Bei einer Havarie wurde ein Arbeiter zu 29 % der Hautoberfläche mit einer 25-%igen Lösung von Ammoniumhydroxid in Wasser benetzt. Er versuchte noch, sich unter der Notdusche zu dekontaminieren, wurde jedoch 15 Minuten später bewusstlos aufgefunden. Noch vor dem Krankentransport in die Klinik bekam er einen Herzstillstand, konnte wiederbelebt werden, fiel jedoch in ein Koma und verstarb nach acht Tagen.

In einem weiteren Fall wurde eine Person zu 12 % der Körperoberfläche mit 8,75-%iger Tetramethylammoniumhydroxidlösung benetzt. Der Mitarbeiter maß dem keine größere Bedeutung zu und arbeitete weiter. Nach 25 Minuten begab er sich zum Duschen in die Umkleideräume. Nach einer weiteren Stunde fand man ihn tot vor der Dusche liegen mit starken Verätzungen der Haut.

Weitere Fälle dieser Art sowie Tierversuche belegen, dass die Giftwirkung des Tetramethylammoniumhydroxids eine noch größere Gefahr als die Ätzwirkung darstellt. Es wird vermutet, dass das Tetramethylammoniumhydroxid eine zur Flusssäure analoge Wirkung hat, dabei ist das Tetramethylammoniumkation sowie das Fluoridanion besonders gut hautgängig und ist Ursache für eine Giftwirkung. Das Hydroxidanion ist wie das Proton für die Ätzwirkung verantwortlich.

Dabei geht die Aufnahme durch die Haut unerwartet rasch vonstatten. Die Größe der Fläche der Kontamination auf der Haut und die Konzentration spielen für die Wirkung erwartungsgemäß eine große Rolle, wenige Prozent der Körperoberfläche scheinen für eine tödliche Vergiftung zu genügen.

Für die Schutzmaßnahmen sind neben der Unterweisung eine effiziente Rettungskette, insbesondere eine Schutzkleidung, die die Benetzung der Haut wirksam verhindert, sowie eine rasch (möglichst innerhalb von 5 Sekunden) erreichbare Körpernotdusche entscheidend. Auch kleine Benetzungen erfordern ärztliche Behandlung. Es ist ratsam, Tetramethylammoniumhydroxid ähnlich vorsichtig wie Flusssäure zu verwenden.