Schwerpunktthema "BG Kliniken" aus der aktuellen Ausgabe 3|2025


Exzellenzmedizin mit allen geeigneten Mitteln

Nach einem Arbeitsunfall oder bei der Beseitigung/Linderung von Berufserkrankungen übernehmen die BG Kliniken im Heilverfahren eine wichtige Rolle. Jährlich werden in den neun Akut-Kliniken, einer Klinik für Berufskrankheiten, in einer Reha-Klinik und zwei ambulanten Einrichtungen mehr als 550.000 Menschen medizinisch versorgt. Mit der Zusammenführung aller BG Kliniken im Jahr 2016 zu einem Klinikverbund gründeten die Unfallversicherungsträger eine der größten Klinikgruppen Deutschlands mit ca. 18.000 Beschäftigten.

Expertise in allen Fachbereichen
Die BG Kliniken verfügen über besondere Expertise in allen Fachbereichen der Chirurgie und Rehabilitation: Dazu gehören vor allem Polytraumata, Schädel-Hirn-Traumata, Querschnittlähmungen, Wirbelsäulenverletzungen und Schwerbrandverletzungen. Auch in der Behandlung von Patienten mit Beckenverletzungen, schweren Handverletzungen oder komplexen Monoverletzungen, die Weichteile, Gelenke, Nerven oder Gefäße betreffen, sind sie führend. 

Die große traumatologische Erfahrung des ärztlichen Personals ermöglicht auch eine optimale Behandlung von Menschen aller Altersgruppen mit eher seltenen Amputationsverletzungen, Komplikationen und Sportverletzungen. In ihren Kernleistungsbereichen erbringen die BG Kliniken einen hohen Anteil sogenannter Exzellenzleistungen, also medizinisch herausfordernde Leistungen bei besonders schweren Fällen in der Akutversorgung.

Integrierte Rehabilitation als Erfolgsrezept
Für die Versicherten aus dem Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung sind die BG Kliniken versorgungsrelevant, da nur in diesen Häusern das vollständige rehabilitative Leistungsspektrum verzahnt angeboten wird, um Patientinnen und Patienten wieder ins Leben und wenn möglich in den Beruf zurückzuführen. Die BG Kliniken agieren als starker Premium-Partner und richten ihr Angebot an den Bedürfnissen der Unfallversicherungsträger beziehungsweise ihrer Versicherten aus.

Das Erfolgsrezept ist eine sogenannte Integrierte Rehabilitation, die Patientinnen und Patienten in allen Behandlungsphasen begleitet. Die BG Kliniken praktizieren dieses Konzept als einzige Krankenhausgruppe in Deutschland.

Das Konzept beschreibt die nahtlose und interdisziplinäre Verknüpfung von Notfall-, Akut- und Rehabilitationsmedizin. Die rehabilitativen Maßnahmen setzen bereits auf der Intensivstation und den Akutstationen ein. So wird sichergestellt, dass während des gesamten Rehabilitationsprozesses jederzeit und ohne Zeitverlust umfassende diagnostische, operative und therapeutische Leistungen auf höchstem Niveau verfügbar sind – mit dem Ziel, die berufliche und soziale Wiedereingliederung der versicherten Personen bestmöglich zu unterstützen. Die Kliniken setzen dabei modernste Medizin- und Reha-Technik ein und wenden innovative Untersuchungs- und Behandlungsmethoden an. Ärzte und Ärztinnen, Pflegekräfte, therapeutisches Personal und die Sachbearbeitung/das Reha-Management arbeiten Hand in Hand auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zusammen.

Bei zunehmender Fallschwere und der Notwendigkeit von berufsorientierten Rehabilitationsmaßnahmen weisen die BG Kliniken eine hohe Expertise und Spezialisierung auf. Rehabilitationsverfahren, die ausschließlich in den BG Kliniken angeboten werden, sind beispielsweise die folgenden:

Komplexe Stationäre Rehabilitation (KSR) 
Die KSR wird als intensivste medizinische Rehabilitationsmaßnahme eingesetzt, wenn der Umfang des rehabilitativen Bedarfs der Patientinnen und Patienten eindeutig über dem Umfang einer Standard-Rehabilitation liegt. Sie kommt vor allem bei komplizierten Heilungsverläufen mit intensivem therapeutischem Rehabilitations- und Pflegebedarf zum Einsatz. Eine KSR wird überwiegend bei komplexen Verläufen, Mehrfachverletzungen oder schweren Brand- und Handverletzungen eingesetzt und umfasst eine erweiterte Diagnostik und psychologische Betreuung. Durch die KSR wird oftmals erst Rehabilitationsfähigkeit hergestellt.

Tätigkeitsorientierte Rehabilitation (TOR)
Die TOR bietet als besonderes Verfahren für ausgesuchte schwere Rehafälle zur Erreichung der beruflichen Wiedereingliederung umfassende Maßnahmen und eine besonders hohe tägliche Therapiedichte. Sie fokussiert darauf, die Patientinnen und Patienten durch multifunktionelle Ausrichtung wieder zur Ausübung ihres Berufes zu befähigen, auch bei komplexen oder verzögerten Heilungs- und Rehabilitationsverläufen mit unklarer oder schlechter Prognose. Ziel der Tätigkeitsorientierten Rehabilitation (TOR) ist es, die individuelle Leistungsfähigkeit der versicherten Person unter möglichst realitätsnahen beruflichen Bedingungen zu erfassen und vorhandene Einschränkungen gezielt zu therapieren. Dafür wird der Arbeitsplatz detailgetreu simuliert, um typische Arbeitsabläufe praxisnah zu üben und eine bestmögliche Vorbereitung auf die Rückkehr in den bisherigen Beruf zu ermöglichen.

Neben diesen beiden Rehabilitationsverfahren werden weitere spezielle Rehabilitationsverfahren angeboten, die das Leistungsspektrum vollumfänglich abdecken. Die speziellen Therapie- und Behandlungsangebote der BG Kliniken setzen eine professionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit voraus.

Die BG Kliniken arbeiten gemeinnützig und selbstverwaltet. Dies spiegelt sich in den Strukturen wider: Die obersten Entscheidungsgremien des Unternehmens sind paritätisch mit Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitgebenden und Versicherten besetzt. Beide Gruppen stellen dabei je zur Hälfte die Mitglieder der Gesellschafterversammlung, des Hauptausschusses und der weiteren Fachausschüsse. Wie bei den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen steuern Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgebenden und der Versicherten das Unternehmen gemeinsam.

Carola Luther und Judith Kayka,BG RCI
 


Im Spannungsfeld aktueller Herausforderungen

Die Krankenhäuser in Deutschland und somit auch die BG Kliniken sehen sich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, die sowohl die Versorgungsqualität als auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit betreffen.

Steigende Personal- und Sachausgaben, der Mangel an Fachkräften, technologische Entwicklungen sowie die Spezialisierung in der Medizin machen umfassende Reformen, gezielte Investitionen und strategisches Handeln erforderlich. Nur so kann die Zukunftsfähigkeit gesichert und eine hochwertige Patientenversorgung dauerhaft gewährleistet werden.

Ein prominentes Beispiel für tiefgreifende Veränderungen ist die umfassende Krankenhausreform, die zum 1. Januar 2025 in Kraft getreten ist. Die Qualität der Behandlung soll steigen, die flächendeckende Versorgung sichergestellt und die Effizienz erhöht werden. Um dies zu erreichen, sollen Leistungen auf spezialisierte Häuser konzentriert und deren Zulassung und Vergütung an festgelegte Strukturen und einheitliche Qualitätskriterien gekoppelt werden.

Die BG Kliniken übernehmen eine zentrale Rolle im System der gesetzlichen Unfallversicherung und sind mit ihrer Expertise und Spezialisierung nicht aus der medizinischen Versorgungslandschaft wegzudenken. Der Gesetzgeber hat diese Relevanz im Reformvorhaben berücksichtigt.

Die BG Kliniken werden auch künftig im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung und darüber hinaus die Versorgung in bewährter Weise fortführen können. Mit der strategischen Leitlinie des Standortbezogenen Integrativen Versorgungsmodells (IVM), das auf Kooperationen und Netzwerke mit anderen Kliniken setzt, kann eine zukunftssichernde Antwort auf die medizinischen, wirtschaftlichen sowie ordnungspolitischen Herausforderungen in den nächsten Jahren gegeben werden.

Dynamische Rahmenbedingungen sowie hohe Finanzbedarfe machen es allerdings auch erforderlich, dass sich die BG RCI sowie die gesetzliche Unfallversicherung insgesamt zur künftigen strategischen und wirtschaftlichen Ausrichtung der BG Kliniken positionieren. Ein entsprechendes Positionspapier mit einheitlichen und verbindlichen Rahmenbedingungen aus der Sicht der BG RCI wurde entwickelt und zuletzt vom Vorstand beschlossen. Eine einheitliche Positionierung wird die Diskussion zur zukunftsorientierten Ausrichtung der eigenen Einrichtungen fördern, die Bedarfe der Unfallversicherungsträger fokussieren sowie die anstehenden Entscheidungsprozesse zu einzelnen Standorten sowie zum gesamten System unterstützen.

Judith Kayka, BG RCI 
 


Aktive Fallsteuerung für eine schnelle Rückkehr ins Leben

Damit die enge Verzahnung von medizinischer Behandlung und Rehamaßnahme optimal gelingt, steuert die BG RCI im Einzelfall das Heilverfahren; jeweils angepasst an die individuellen Bedarfe des verletzten oder erkrankten Menschen.

In der Erstversorgung hat die BG RCI keinen unmittelbaren Einfluss darauf, welcher Arzt oder welche Ärztin aufgesucht oder welche Klinik vom Rettungsdienst angefahren wird. Die Steuerung der Heilverfahren beginnt nach der Erstversorgung. Diese Steuerung übernehmen die Reha-Managerinnen und Reha-Manager sowie die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter der BG RCI. Sie sorgen dafür, dass die Versicherten mit schweren Verletzungen oder potenziellen Komplikationen von besonders qualifizierten Ärztinnen und Ärzten behandelt werden.

Die wohnortnahe Versorgung tritt hierbei zugunsten der besten Behandlung in den Hintergrund. Denn je früher bestehende oder neu zu erwerbende Fähigkeiten trainiert wer-den, desto schneller erfolgt die Rückkehr in das gewohnte Leben. Damit dies gelingt, bedarf es eines auf den Patienten oder die Patientin passgenau zugeschnittenen Behandlungsplans. Dieser wird gemeinsam von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten, den physiotherapeutischen Fachleuten, den Reha-Managerinnen und -Managern der BG RCI und natürlich dem oder der Betroffenen entwickelt.

Um die besondere Kompetenz der BG Kliniken und Ambulanzen noch gezielter und intensiver zu nutzen, hat die BG RCI verbindliche Grundsätze zur aktiven Fallsteuerung erarbeitet. Hier werden die besonderen Merkmale wie folgt zusammengefasst:

  • Die BG Kliniken besitzen eine unverzichtbare Versorgungsrelevanz bei unfalltypischen schweren Verletzungen, insbesondere bei Schädel-Hirn-Trauma, Querschnittverletzungen, Rückenmarkverletzungen, Hand- und Brandverletzungen.
  • Die BG Kliniken weisen überdurchschnittlich hohe jährliche Fallzahlen in den für die gesetzliche Unfallversicherung typischen Leistungsbereichen sowie eine hohe Zuverlegungsquote auf.
  • Die BG Kliniken punkten mit einem hohen Spezialisierungsgrad, ausgeprägter Expertise und Erfahrung – in personeller Hinsicht und sächlicher Ausstattung.
  • Die sektorenübergreifende Versorgung und Interdisziplinarität ist ein besonderes Merkmal der BG Kliniken.
  • Die BG Kliniken haben im Bereich von Versicherten der gesetzlichen Unfallversicherung deutlich größere Einzugsgebiete als im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung, was eine aktive Fallsteuerung der Unfallversicherungsträger bei schweren Verletzungen zeigt.
  • Die integrierte Rehabilitation ist ein Alleinstellungsmerkmal der BG Kliniken. Dazu gehören besonders komplexe und individuell angepasste Rehamaßnahmen wie die Komplexe Stationäre Rehabilitation (KSR), Tätigkeitsorientierte Rehabilitation (TOR) und Arbeitsplatzorientierte muskuloskelettale Rehabilitation (ABMR).

Um innerhalb der BG RCI eine optimierte Fallsteuerung sicherzustellen, wurden Standards festgelegt, nach denen die Sachbearbeitung und das Reha-Management vorgehen:

  1. Ist die Verletzung im Verletzungsartenverzeichnis der gesetzlichen Unfallversicherung aufgeführt? Dieser Katalog definiert Verletzungsarten beziehungsweise Verletzungsschwere und die sich daraus ableitenden Verfahren.
  2. Gibt es besondere Sachverhalte, die auf einen risikohaften oder von der Ursprungsprognose abweichenden Verlauf, also auf mögliche Komplikationen im Heilungsverlauf hinweisen?
  3. Gibt es weitere Risikofaktoren, beispielsweise aus dem psychischen, beruflichen und sozialen Bereich oder sonstige Auffälligkeiten?

Ziele der aktiven Fallsteuerung zur intensiveren Nutzung der passgenauen Beratungs- und Behandlungsangebote der BG Kliniken sind: 

  • eine Qualitätssteigerung / Weichenstellung zur individuellen Heilbehandlung,
  • eine Verkürzung der Dauer der Arbeitsunfähigkeit,
  • eine Minimierung von dauerhaften Unfallfolgen,
  • eine berufliche Wiedereingliederung in die bisherige Tätigkeit oder eine Weiterbeschäftigung im bisherigen Unternehmen („wirtschaftlicher Arbeitsplatzerhalt“),
  • eine möglichst umfassende berufliche und soziale Teilhabe.

Serviceangebote für die Unfallversicherungsträger
Das Reha-Management der Unfallversicherungsträger ist fest in die Abläufe der BG Kliniken integriert. Zu den zentralen Angeboten zählen ein breit gefächertes Spektrum an Sprechstunden, „UVT-Servicezentren“ als Schnittstelle zwischen den Unfallversicherungsträgern und BG Kliniken, die Erstellung von Gutachten sowie eine fundierte Beratung – zur Heilverfahrenssteuerung und auch bei komplexen Fragen zur Kausalität.

Darüber hinaus bieten die BG Kliniken vielfältige Beratungsdienste an und begleiten unfallverletzte oder erkrankte Menschen und deren Angehörige. Die Kliniken engagieren sich aktiv in regionalen sowie überregionalen Sozial- und Gesundheitsnetzwerken.

Carola Luther und Judith Kayka, BG RCI

 


Langer Weg zurück ins Arbeitsleben

Ein schwerer Arbeitsunfall veränderte das Leben von Andrea S. von einem Moment auf den nächsten: Bei einem Routineeinsatz in der Produktion zog eine Walze ihre rechte Hand ein – die Folge war eine schwere Verletzung. Was zunächst nach einem Schicksalsschlag ohne Perspektive aussah, entwickelte sich dank schneller medizinischer Versorgung, frühzeitiger psychologischer Betreuung und interdisziplinärer Rehabilitation zu einer Erfolgsgeschichte der modernen Unfallmedizin.

Andrea S. arbeitete seit sieben Jahren in der Produktion eines großen Unternehmens der chemischen Industrie. Wie jeden Morgen ging die 45-jährige Mutter von zwei erwachsenen Kindern am 2. Mai 2023 gut gelaunt an ihren abwechslungsreichen Arbeitsplatz. Zu ihren Aufgaben gehörte unter anderem die Produktion von Kunststofffolien. Sie liebte diese Tätigkeit, die nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch etwas Kraft erfordert. Routiniert ging sie an diesem Tag ihrer Tätigkeit nach, bis ein Materialstau im Kalander auftrat. Bei dem Versuch, den Materialstau zu beseitigen, wurde ihre rechte Hand erfasst und von der Walze eingezogen.

Mit letzter Kraft konnte Andrea S. die Hand herausziehen. Doch trotz ihrer schnellen Reaktion erlitt sie schwerste Verletzungen. Neben schweren Quetschungen und zahlreichen Knochenbrüchen im Bereich der Mittelhand wurden unter anderem Teile der Langfinger und des Daumens abgetrennt.

Das Notfallmanagement in der Firma startete sofort. Ausgebildete Ersthelfer kümmerten sich um die 45-Jährige. Der gleichzeitig verständigte Notarzt traf zeitnah ein und initiierte den Transport mit dem Rettungswagen in ein nahegelegenes Universitätsklinikum. Nach der Erstuntersuchung wurde die sofortige Verlegung der Patientin in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik in Frankfurt am Main eingeleitet. Die Verletzungen waren so schwerwiegend, dass nach Auffassung der behandelnden Ärzte hier die Expertise eines handchirurgischen Zentrums an einer BG Klinik benötigt wurde, um die Unfallfolgen bestmöglich zu behandeln.

Zwei Stunden und 40 Minuten nach dem Unfall wurde Andrea S. operiert. Die Ärztinnen und Ärzte versuchten, die Hand zu retten und die verletzten Strukturen zu rekonstruieren. Allerdings war aufgrund der schweren Verletzungen die Prognose schlecht. Für Andrea S. stand nun die Welt still. Die Gedanken kreisten um die Frage: „Was wird aus mir und meiner Familie, wenn ich die Hand nicht mehr einsetzen kann? Ich muss noch über 20 Jahre arbeiten, bis ich in Rente gehen kann. Ausgerechnet die rechte Hand, meine starke Hand, ist verletzt. Außerdem bin ich entstellt, so wird mich niemand mehr mögen.“

Sie konnte ihre verletzte Hand nicht anschauen. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt im Heilverfahren nahm eine Psychologin Kontakt mit ihr auf und unterstützte sie im Rahmen des stationären Aufenthalts durch stabilisierende Gespräche. Auch die Handchirurgen suchten frühzeitig das konstruktive Gespräch, um mit ihr Alternativen abzustimmen, falls die schwerstverletzte Hand nicht heilen sollte.

Sechs Tage nach dem Unfall kam tatsächlich die niederschmetternde Diagnose: Die Hand kann nicht gerettet werden. Andrea S. war am Boden zerstört und von Zukunftsängsten geplagt. Aufgrund der frühzeitigen offenen und ausführlichen Gespräche mit den Ärztinnen und Ärzten entschied sie sich unter psychologischer Betreuung für die Amputation im Handgelenk und gegen weitere rekonstruktive Maßnahmen. Für sie war es wichtig, ein möglichst großes Handlungspotenzial zu erhalten, um den Verlust der Hand zu kompensieren.

Geplant war, die 45-Jährige mit einer myoelektrischen Handprothese auszustatten. Diese Prothese ersetzt die amputierte oder fehlende Extremität nicht nur aus ästhetischer Sicht, sondern ermöglicht eine über die noch vorhandenen Muskelfasern gezielte Bewegung, zum Beispiel Zugreifen und Festhalten. Um eine solche Prothese optimal einzusetzen, ist ein intensives Training mit hierfür ausgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten erforderlich.

Die Operation verlief erfolgreich. Die Spezialisten konnten mit den vorhandenen Strukturen einen gut heilenden Stumpf bilden, der das reibungslose Tragen einer myoelektrischen Prothese ermöglicht. Nur 15 Tage nach dieser Operation konnte Andrea S. für ein paar Tage nach Hause entlassen werden. Sie war sehr dankbar für die ganzheitliche und individuelle Fürsorge, die sie bisher erfahren hatte.

Optimistisch sah sie der Wiederaufnahme zur Komplex Stationären Rehabilitation (KSR) in der BG Klinik entgegen. Sie hatte das Gefühl, dass sie als Mensch gesehen und das weitere Heilverfahren eng mit ihr und dem Behandlungsteam abgestimmt wurde. Die KSR startete 14 Tage nach der Entlassung. Andrea S. nahm an dem multimodalen Programm der KSR teil, das von Anfang an die optimale Anpassung der Prothese zum Ziel hatte. Physiotherapie, Ergotherapie, Schmerztherapie und Psychotherapie standen neben der Erprobung der Prothese auf dem Programm.

Die Orthopädietechniker passten in enger Abstimmung mit den Therapeuten des multimodalen Teams der KSR zunächst eine vorläufige Prothese an. Aufgrund des optimalen Amputationsstumpfes und der hohen Motivation von Andrea S. war sehr schnell klar, dass eine myoelektrische Prothese geeignet war, die fehlende Hand bestmöglich zu kompensieren. Das ärztliche, therapeutische und psychologische Team stimmte sich weiterhin eng ab und konnte so die multimodale Therapie im Dialog mit der 45-Jährigen koordinieren. Die Anpassung der Prothese verlief sehr erfolgreich.

Andrea S. erlebte das Umfeld der BG-Klinik als Einheit. Sie fühlte sich ernst- und wahrgenommen mit ihrer ganz individuellen Problematik. Die strukturierten Abläufe mit dem persönlichen Fokus gaben ihr Halt und Vertrauen in den Erfolg der Behandlung. Sie schilderte zum Beispiel in der Schmerztherapie Phantomschmerzen. Sofort wurde das Behandlungskonzept in der Ergotherapie angepasst und um Spiegeltherapie ergänzt. Mit Erfolg! Die Phantomschmerzen besserten sich.

Aus Sicht der Betroffenen waren zu diesem Zeitpunkt nicht nur ihre Wunden verheilt, sondern die Reha hatte ihr auch Sinn, Orientierung und emotionale Sicherheit vermittelt. Nur fünf Monate nach dem Unfall konnte Andrea S. endgültig nach Hause entlassen werden. Aufgrund ihrer Ängste vor dem Arbeitsplatz, an dem sie den Unfall erlitten hatte, wurde die intensive Psychotherapie fortgesetzt.

Vom Reha-Management der BG RCI wurde Andrea S. engmaschig betreut: Neben vielen Telefonaten zählten dazu auch Besuche, um alles Anstehende persönlich und direkt besprechen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass sie nicht mehr an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren konnte, da sie trotz optimaler prothetischer Versorgung nicht mehr alle Tätigkeiten würde verrichten können. Nach weiterer intensiver psychologischer Stabilisierung, Prothesentraining, Ergotherapie und Schmerztherapie war sie schließlich so stabil, dass sie mit Unterstützung ihres Arbeitgebers und des Reha-Managements an einem alternativen Arbeitsplatz wieder vollschichtig arbeitet. Arbeitgeber, Kolleginnen und Kollegen und natürlich Andrea S. freuen sich darüber sehr.

Ihr Behandlungsverlauf zeigt, dass sich medizinische Spitzenleistung und Selbstwirksamkeit gegenseitig verstärken. Ein Umfeld, das nicht nur heilt, sondern auch Sinn, Orientierung und emotionale Sicherheit vermittelt, steht ebenso wie zukunfts-weisendes medizinisches Handeln im Einklang mit menschlicher Wahrnehmung. Andrea S. fasst das so zusammen: „Ich habe durch diese wunderbare BG Klinik und das Reha-Management eine hervorragende medizinische und menschliche Betreuung erfahren. Es gibt ein gutes Leben nach einem schlimmen Unfall und ich schaue optimistisch in die Zukunft. Einfach vielen Dank an alle!“

Birgit Himmelmann, BG RCI
 


Gemeinsam stärker: Strategische Kooperationen für eine zukunftsfähige Versorgung

Um ihre Kompetenzen zu erhalten und zu erweitern, entwickeln sich die BG Kliniken gemeinsam mit ausgewählten Kooperationspartnern auch außerhalb ihrer Kernleistungsbereiche kontinuierlich weiter. Nicht nur mit Nachbarkliniken arbeiten die BG Kliniken an ihren Standorten zusammen. Sie legen auch Wert auf die fachübergreifende Versorgung, die die Übergänge zwischen ambulanter und stationärer Krankenbehandlung fließend gestaltet.

Zur Weiterentwicklung der Standorte haben die BG Kliniken das standortbezogene integrative Versorgungsmodell (IVM) erarbeitet. Diese Unternehmensstrategie liegt den Kooperationen an den einzelnen Standorten zugrunde und entwickelt die bisherigen Versorgungsmodelle der Klinikstandorte konsequent weiter. Das ermöglicht eine umfassende Versorgung bei gleichzeitiger weiterer Qualitätssteigerung durch Fokussierung auf die Kernkompetenzen, in denen eine Qualitätsführerschaft angestrebt wird.

Die BG Kliniken erhalten so hochwertige Unterstützung in Randgebieten der Versorgung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Seit Ende 2019 arbeiten die BG Kliniken beispielsweise mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr zusammen. Denn die BG Kliniken sowie die Bundeswehrkrankenhäuser haben eine zentrale Gemeinsamkeit: die Spezialisierung auf die Akutversorgung und Rehabilitation von Menschen, die sich im Dienst oder im Beruf verletzt haben und möglichst ohne Einschränkungen in ihr bisheriges Leben zurückkehren sollen. Die Kooperation mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr wurde mit einer gemeinsamen Absichtserklärung (Letter of Intent) am 14. August 2019 im Bundesverteidigungsministerium festgehalten.

Kooperationsmöglichkeiten werden im Bereich Wissenstransfer und Forschung ermittelt und schrittweise ausgebaut. Darüber hinaus wird für einzelne Standorte auch eine engere Zusammenarbeit durch die Verzahnung medizinischer Leistungsangebote geprüft. Die BG Kliniken und Bundeswehrkrankenhäuser haben einen Versorgungsauftrag für die Gesamtbevölkerung und stehen mit ihrer hohen Fachkompetenz Patientinnen und Patienten aller Krankenversicherungen offen.

Auch der Austausch mit verschiedenen Universitätskliniken wird zunehmend intensiviert – so können die BG Kliniken auch in Zukunft bestmögliche medizinische Leistungen anbieten.

Carola Luther und Judith Kayka, BG RCI